Saturday, 10 September 2016

Bad Bitches!


 Model: Julia Hanus
Dear readers, this post will be available in English soon! It talks about the background, concept and future of our Bad Bitches project. The concept is already provided in both English and German. 

Heute möchte ich euch endlich das große Projekt vorstellen, von dem ich schon so viel gesprochen habe: die Bad Bitches, das Konzept sowie die Menschen dahinter. Uns allen liegt das Projekt sehr am Herzen und wir haben noch viel vor - in diesem Post geht es aber zunächst vor allem um das, was wir schon geschaffen haben. 

Wir, das sind die Fotografin Crystal David, der Kunsthistoriker Paul Jonas und ich - die Kostümdesignerin Mariell Felicitas. Seit über einem Jahr arbeiten wir zusammen immer wieder an dem Großprojekt Bad Bitches, das wir neben unserer jeweiligen Arbeit bzw. Studium stemmen. Kennengelernt habe wir uns über unserer gemeinsame Freundin, die Maskenbildnerin Johanna Eckhardt, die aber aus zeitlichen Gründen leider bald aus dem Projekt aussteigen musste. Rasch haben wir erkannt, dass wir mit sehr ähnlichen Ansprüchen und Wünschen an unsere Projekte herangehen, und so wurde der Beschluss gefasst, gemeinsam noch Größeres als bisher auf die Beine zu stellen! :D 
Es ist ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt und wir arbeiten Hand in Hand, deswegen ist nicht immer klar, wer denn nun was genau macht - trotzdem will ich hier eine Kurzvorstellung der Aufgabenverteilung versuchen: 

Unser erstes gemeinsames Foto.
Das Maskenbild ist von Johanna Eckhardt, das Model ist Maria Belting -
Paul war damals noch gar nicht dabei.

Crystal David ist selbstständige Fotografin, sie malt und fotografiert seit ihrem 16. Lebensjahr.  Bei den Bad Bitches vereint sie beides - sie malt Hintergründe von Hand, schießt die Fotos und schafft dann in aufwändiger Kleinarbeit mit Photoshop was Paul und ich nicht zu bauen vermögen. Ihr Blick für Lichtsetzung und ihre Liebe zum Detail machen unsere Fotos zu dem was sie sind. 

Paul Jonas ist Kunsthistoriker und zeitgleich so etwas wie unser Assistent und Regisseur. Bei Bildaufbau und Bildauswahl hat er meist das letzte Wort. Er recherchiert, bereitet vor, baut am Setdesign mit, und ist vor allem unser Berater in künstlerischen Fragen. Ihn zufrieden zu stellen ist schwer - am Ende schaffen wir es aber doch immer wieder!

Mariell Felicitas - neben meinem Studium der Kunstgeschichte betreibe ich ein Gewerbe für Kostümdesign- und Verleih. Ich designe, schneidere, und baue unsere Kostüme, organisiere aber auch unsere Treffen und Shootings. Meine zweite Hauptaufgabe ist das Finden: Sei es das perfekte Model, passende Möbel, ungewöhnliche Requisiten oder Locations - es dauert zwar manchmal etwas, aber es gibt kaum etwas, das ich nicht auftreiben kann. 

Für den Fall, dass ihr mich noch nicht kennt - das bin ich! 
Unser Konzept hat Paul so zusammengefasst: 

Bad Bitches ist eine in der Entstehung begriffene Serie von kunsthistorisch inspirierten Porträts. Sie basiert auf der historischen Entwicklung vom versteckten Porträt in der allegorischen Darstellung bis hin zum allegorisch inszenierten Porträt der frühen Neuzeit. Über Jahrhunderte hinweg war die Darstellung individueller Personen immer wieder mit der Verkörperung einer mythologischen Figur verbunden. Besonders junge Frauen waren in der Kunstgeschichte oft die Verkörperung und Projektionsfläche für Göttinnen, sagenhafte Gestalten und allegorische Personifikationen aus der christlichen und griechischen Mythologie. Gerade weil viele dieser literarischen Vorbilder aber keineswegs nur der Idealisierung dienten, sondern oft komplex, zwiespältig und geradezu definiert durch ihre autonomen Entscheidungen waren, schien es uns interessant mit dieser Form des Porträts auch die modernen jungen Frauen zu inszenieren, die wir selbst fotografieren. Der Titel betont diesen Bezug zur Gegenwart – „Bad Bitches“ ist ein Begriff aus der Jugendsprache, der sich eine Beleidigung aneignet und sie zur Würdeformel macht. Ebenso entspringt bei unseren mythologisch inspirierten Porträts die Würde der verkörperten Figur gerade aus ihrer moralischen Autonomie und der Bereitschaft zur Überschreitung menschlicher Gesetze. Mit dem Titel wollen wir auch die widersprüchliche Wahrnehmung der gewählten Frauengestalten ansprechen, von denen viele je nach historischer Lage alles von Sünde und Erotik über Tugend und Bildung bis hin zu Macht und Freiheit symbolisieren konnten. Die Komposition der Fotos orientiert sich an diesen literarischen und kunsthistorischen Traditionen, wir verbinden einzelne künstlerische Handschriften aber ebenso frei wie die verschiedenen Überlieferungen und Interpretationen zu unseren Figuren. 

Bad Bitches is a nascent series of portraits inspired by art history. It is based on the historical development from portraits hidden in allegorical images to the allegorically staged portraits of the early modern period. For centuries the representation of individuals was often merged with the embodiment of a mythological figure. In art history especially young women often served as the physical representation of goddesses, literary figures  and allegorical personifications from greek and christian mythology. Since many of these characters were complex, ambivalent and almost defined by their autonomous decisions, the association with them in no way served as a pure means of idealisation. That is why it seemed interesting and fitting to us to stage the modern young women we photograph in the same manner of portraiture.  The title emphasises this reference to contemporary life - „Bad Bitches“ is a term from youth slang, that appropriates an insult and wears it as a badge of honour. In the same way the dignity of the embodied mythological characters comes from their moral autonomy and their willingness to transgress human rules. The title is meant to emphasise the contradictory perception of the chosen female characters, of whom many have symbolised everything from the sinful and erotic to virtue, knowledge, power and freedom depending on the historical context. The composition of the images is inspired by literary and art-historical tradition, we blend individual artistic styles as freely as the differing adaptions and lore on our characters.  

Auch dieses Bild ist bei dem Shooting an dem wir uns kennengelernt haben entstanden.
Das Maskenbild ist von Johanna Eckhardt, Model ist Maria Belting.

Für unser Projekt haben wir bereits einige Shoots hinter uns - und zeigen bisher dennoch nur "Nebenprodukte". Unser Ziel ist es, eine Serie von 6 - 10 Bildern in einer Ausstellung zu präsentieren. Die bisher publizierten Bilder stammen entweder aus einem der Testshoots (wie das Bild von mir) oder sind gelungene Motive, die wir während dem Shoot zusätzlich probieren wollten und die dann im Stil der Serie bearbeitet worden sind. Die Promo-Bilder sind größtenteils weniger aufwendig und verkörpern im Gegensatz zu den Bad Bitches keine mythologischen Figuren. Nicht zuletzt deshalb wirken sie oft ein bisschen harmloser. Die Bilder der eigentlichen Serie bleiben aber bis zur Ausstellung unter Verschluss. Bis jetzt haben wir noch keine Ausstellungsmöglichkeit gefunden, aber wir hoffen doch sehr, Leute für unser Projekt begeistern zu können.

Das verstehen wir unter "Nebenprodukt" ;) 
Bad Bitches wäre aber nicht Bad Bitches ohne unseren geduldigen Models und fleißigen Helfer. Ein für uns sehr wichtiger Teil ist es, passende Models für die jeweiligen Motive zu finden, und das Set so aufzubauen, dass wir in den fertigen Szenen möglichst wenig ändern müssen. Die Bilder werden zwar unterschiedlich stark bearbeitet um einen malerischen Effekt zu erzeugen,  manchmal werden auch Gegenstände ergänzt und ersetzt, aber die Szenen finden bei uns im Studio - sprich Crystals Wohnung- meist wirklich so statt wie ihr sie hier seht.


Wie ihr euch sicher denken könnt ist die Serie nicht nur sehr aufwändig zu produzieren, sondern auch teuer. Bislang bezahlen wir das alles aus eigener Tasche, aber je weiter wir fortschreiten, desto aufwändiger und damit auch kostspieliger werden unsere Projekte. So gut ich darin bin, Dinge kostengünstig zu organisieren - früher oder später werden wir Unterstützung benötigen. Wie wir das alles machen, wissen wir noch nicht, aber wir stehen ja auch erst am Anfang. Eines unserer nächsten Projekte wird eine Medea sein, in einem von Vermeer inspirierten Setting. 
Und wisst ihr was das Beste ist? 
Wir haben eine tolle Videografin dabei, die ein Making-Of-Video machen wird!

Johannes Vermeer, Woman playing a lute,  ca. 1662-63, MET, Accession number 25.110.24

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